Biotattoo's - Der Traum vom vergänglichen Körperschmuck

Dies ist ein ''Biotattoo''!

Sandra wollte schon lange ein Tattoo haben, aber so ganz sicher war sie sich doch nicht von wegen Unvergänglichkeit, und ob es ihr dann in fünf Jahren auch noch gefällt und wie das ist, wenn die Haut mal faltig wird. Dann ist sie in den Urlaub gefahren und dort im Club, wo die Animateure den ganzen Tag für Abwechslung sorgen, zwischen Surfkurs und Karaokeshow, gab es die scheinbar perfekte Lösung für ihr Dilemma: ein Biotattoo! Und losgelöst von den Alltagssorgen wird Sandra mutig - soll ja auch nicht für immer sein. Aus dem Urlaub bringt sie einen 15 cm großen Delphin auf ihrer Wade mit. Ein Souvenir, an dem sie mittlerweile den Spaß verloren hat. Die erste Begeisterung ist schnell verflogen. Wieder zu Hause, muss sie feststellen, dass die Tätowierung nicht so aussieht, wie sie sich das vorgestellt hat. »Die Farben, die Linien außenrum - das Ding sieht einfach Scheiße aus. Ich bin voll sauer auf diese Typen, das hätten die mir doch ruhig vorher sagen können. Das Tattoo sieht irgendwie schon jetzt alt aus.« Und Sandra hat auch allen Grund, sauer zu sein, denn befragt man Experten wie den Dermatologen und Laserspezialisten Dr. Christian Raulin aus Karlsruhe zum Thema Biotattoo, erntet man ein Kopfschütteln und die Erklärung, dass es so was wie ein »Biotattoo« gar nicht gibt. Was sagt aber die Fachfrau - die Kosmetikerin mit dem lukrativen Zusatzangebot in Sachen »Körperverschönerung«? Stellvertretend für das neue Genre zitieren wir eine »Biotätowiererin«, die wir in Mannheim befragten. Von ihrer Seite wird uns erklärt, dass der Unterschied zwischen einem »Biotattoo« und einer professionell gemachten Tätowierung nur in der unterschiedlichen Stichtiefe Preisfrage: Was ist das? liegt. Laut Aussage dieser Biotätowiererin werden die Farbpigmente der Outlines bei einem Biotattoo nur maximal 0,04 Millimeter in die Haut »hineingeschoben«, und die Farbe »auf die Haut aufgerieben«. Dort wird sie, so die Befragte, nicht in die Haut aufgenommen, mit dem erhofften Resultat, dass sie durch den normalen Hauterneuerungsprozess wieder abgestoßen, beziehungsweise abgebaut wird. Solcherlei Aussagen nötigen dem Hautarzt ein Stirnrunzeln ab, denn durch die natürliche Regeneration der Haut müsste sich das Tattoo schon nach 28 Tagen entfernt haben. Meist werden Biotattoos von Leuten angefertigt, die auch Permanent Make-up machen, und für beide »Verschönerungen« werden die gleichen Maschinen verwendet. Die Outlines werden mit einer Nadel gestochen, was zur Folge hat, dass die Linien sehr dünn sind. Auf meine Frage hin, wie die Farbe hält, wenn sie nur »auf die Haut aufgerieben« wird, konnte mir die Biotätowiererin nur die eine Erklärung geben: »Das hält eben!«. Die »Pflanzenfarbe« wird mit Nadelkombination 3, 5 oder 8 Nadeln »in die Haut gerieben«. Die Verletzung sei also mit einer Schürfwunde vergleichbar. Weiterhin wurde mir erklärt, dass das Biotattoo in den ersten 2-3 Wochen »arbeitet«, will heißen, »dass die Farben wieder verschwinden können«. Nach 2-7 Jahren soll dann das ganze Tattoo in einem Prozess des langsamen Verblassens verschwunden sein. »Auf meine Frage, wie lange denn die Biotätowiererin schon ihre Tattoos macht, antwortet sie: »2 Jahre«! Dr. Christian Raulin warnt eindringlich vor den sogenannten Biotattoos, denn sind die Pigmente tatsächlich nur in die Epidermis eingebracht, bleiben sie dort nicht für 2-7 Jahre, sondern verschwinden bereits nach den oben angesprochenen 28 Tagen, und sind sie tiefer gestochen, dann sind es eben richtige Tätowierungen. Die Qualität eines Biotattoos ist von Anfang an nicht mit einem gutgemachten professionellen Tattoo zu vergleichen. Ein -farbiges- ''Biotattoo''... Die Farben sind weniger brillant und die Tätowierung sieht von Anfang an blass, unscharf und verlaufen aus - »alt« eben. Je nach Körperstelle ist die Oberhaut unterschiedlich dick und ein gleichmäßiges Einbringen der Pigmente in ein und dieselbe Tiefe (wir erinnern uns, exakt 0,04 mm sind angestrebt) scheint nicht nur unmöglich, sondern das Resultat bestätigt diese Annahme. Teils werden die Farben abgestoßen, teils verbleiben sie in unterschiedlichen Tiefen in der Haut - das Ergebnis sieht meist katastrophal aus. Wenn ein Tattoo in die Epidermisschicht eingebracht wird, werden die Pigmente tatsächlich durch den Hauterneuerungsprozess wieder abgestoßen, kommen sie zu tief bleiben sie wo sie sind. Eine Biotätowiererin erklärte mir, dass bei der Prozedur kein Blut fließen würde und sie die Farbe nur in die Haut »drückt«. Wie das halten soll und warum sie so sicher ist, dass die Biotätowierung sich komplett wieder auflöst und keine Rückstände in der Haut bleiben und wie lange es schön aussieht, wollte oder konnte sie nicht sagen. Das Ganze lassen sich die Biottattoomacher teuer bezahlen. Ein Biotattoo, etwas größer als eine Streichholzschachtel, kostet ab 180 DM aufwärts. Wie unseriös diese Geschäftemacher und Laientätowierer arbeiten, zeigt der Ausbildungsweg: Käuflich zu erwerben ist ein Köfferchen mit allem, was der Biotätowierer braucht, inklusive einer schmucken Urkunde, in die der stolze Käufer nur noch seinen Namen einsetzen muss. Fertig ist der Biotattooartist! Gewiefte Geschäftemacher profitieren von der Modeerscheinung Tätowierung, denn seit Models, Rockstars und MTV-Moderatoren die Tätowierung zu einem Modegag degradiert haben, wittern sie fette Beute. Und für so manchen ist eine Tätowierung nicht mehr als ein Ding, dass zum perfekten Sommeroutfit dazu gehört. Auch Sandra gehört zu denen, die sich mit einer Tätowierung schmücken wollen wie mit einer Halskette, die man wieder ablegen kann, wenn sie nicht mehr gefällt. Diese Eitelkeit muss sie aber teuer bezahlen. Die professionellen Tätowierer sind schon ziemlich angenervt, da nach einem weiteren Pressebericht über die »vergängliche Kunst am Körper« das Telefon permanent klingelt und alle Erklärungs- und Abwiegelungsversuche viel Zeit und Nerven kosten. Wenn verunsicherte »Biotätowierte« dann ins Studio kommen, um mal zu fragen, was denn mit dem Tattoo los sei, dann kommt für viele das böse Erwachen. Ist das Kunst? »Ich wollte der Frau mit Sicherheit nicht den Tag verderben«, erzählt Sting aus Bremerhaven, »aber nachdem ich mir das vermeintliche Biotattoo angeschaut hatte, musste ich feststellen, dass es so tief gestochen war, dass die Linien leicht ausliefen. Somit war klar: das bleibt drin!« Damit aber nicht genug, ist doch die künstlerische Qualität der Tätowierung oftmals unzureichend - jeden professionellen Tätowierer, der so ein Resultat abliefert, würde man sofort als »Scratcher« bezeichnen. Das blaue und oftmals fleckige Ergebnis kommt eben nicht vom erwünschten Auflösungsprozess, der das Tattoo nach einigen Jahren auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen soll, sondern ist das Resultat »der schlechten Ausführung«, so Dr. Christian Raulin. »Es wird nicht gleichmäßig in die obere Lederhaut gestochen, und somit fällt auch das Ergebnis ziemlich fleckig aus.« Schon etliche sind in Tattoostudios gekommen, um sich ihre Biotattoos durch richtige ersetzen zu lassen, denn was da angeblich nach mehreren Jahren rückstandslos verschwinden soll, mutiert oft nach kurzer Zeit zu einem fleckigen Etwas, worauf der Besitzer bestimmt nicht stolz sein kann. Die andere Alternative ist die Tattoo-Entfernung. Die Laserspezialisten können sich heute schon auf die Kundschaft von morgen freuen! Die meisten seriösen Tätowierer wollen ohnehin nichts mit diesem Trend zu tun haben und sind schon ziemlich genervt, wenn dauernd irgendwelche Leute bei ihnen antanzen und ein Biotattoo haben wollen. Alex vom Tattoostudio »Crazy Greg«  bringt es auf den Punkt, wenn er zum Thema Biotattoo sagt: »Entweder du bist schwanger, oder du bist es nicht - ein bisschen schwanger, das gibt es nicht!« Das sollten sich alle, die sich mit dem Gedanken tragen, ein Biotattoo machen zu lassen, noch mal durch den Kopf gehen lassen. Als Modeaccessoire ist ein Tattoo denkbar ungeeignet. Man sollte sich gewiss nicht aus einer Laune heraus tätowieren lassen, oder weil es gerade schick ist. Was die Tätowierung ausmacht, ist schließlich ihre Dauer - und die soll für ein Leben lang sein. Und dann ist da noch die Sache mit Thomas Gottschalk. Wir erinnern uns: er hatte eine Wette verloren und ließ sich ein Tattoo machen - ein Biotattoo heißt es in der Legende. Dr. Christian Raulin wettet dagegen, dass das, was Millionen Fernsehzuschauer auf dem Arm von Deutschlands beliebtestem Gummibärchen gesehen haben, garantiert keine Tätowierung war - weder Bio noch sonst wie. Für Dr. Raulin gibt es nur eine Tätowierung, die wieder verschwindet, und das ist ein Abziehbildchen. Das ist mit Sicherheit für all jene, die sich nicht ganz sicher sind, die beste Lösung.
 

Fazit:

Die Behauptung, das Biotattoos sich in einer Zeitspanne von 2-7 Jahren wieder auflösen, kann von Fachleuten in keiner Weise bestätigt werden.

Hier noch zwei weitere Beispiele eines ''Biotattoos''...

Ein ''Biotattoo''... noch ein ''Biotattoo''...